Volt Baden-Württemberg
Wahlprogramm 2021
Bildung und Soziale Gerechtigkeit
Die soziale Gerechtigkeit nimmt in unserer Gesellschaft zunehmend ab – genannt seien hier die Schere zwischen Arm und Reich oder die Aufstiegschancen einzelner Mitglieder unserer Gesellschaft aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder des Bildungsstands ihrer Eltern. Soziale Ungerechtigkeit ergibt sich häufig, aber nicht nur, aus unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten einzelner Bevölkerungsteile, weshalb wir eine Reform der Bildung durch alle Ebenen – regional, national und europäisch – anstreben. Die aktuelle Politik der großen regionalen Unterschiede in der Bildung muss sich ändern.
Mit unseren Forderungen für Baden-Württemberg wollen wir ein Zeichen setzen, um Bildung in ganz Europa neu zu denken und zu definieren. Gleichzeitig stehen wir aber auch für kurzfristige Verbesserungen in der regionalen Bildungspolitik, um den Lehrer*innen, Schüler*innen, Eltern, Studierenden, Dozierenden und vielen mehr eine Verbesserung zu bringen. Wir zielen darauf ab, mehr soziale Gerechtigkeit zu ermöglichen, indem wir das verbessern, was allen Menschen die Fähigkeiten gibt, sich in dieser Gesellschaft zurecht zu finden: Bildung.
Aufwertung des Lehrberufs
Lehrkräfte stehen mehrheitlich unter sehr hoher beruflicher Belastung. Das Arbeitspensum ist viel zu hoch. Es gibt keine qualitativ ausreichenden Pausen im Schulalltag. Für viele der Aufgaben, die Lehrer*innen übernehmen müssen, wurden sie gar nicht ausgebildet; nicht zuletzt sind noch die bürokratischen Hürden zu bewältigen. Zusätzlich müssen Lehrer*innen das alles meistens ohne einen richtigen Arbeitsplatz und ohne Ruhezone leisten.
Das Grundschullehramt soll aufgewertet werden, um die außerordentliche Verantwortung, die Pädagog*innen in diesem Bereich tragen, zu honorieren und mehr Lehramtsanwärter*innen anzuziehen. Die Entwicklung von Kindern in dieser Altersstufe hat einen bedeutenden Einfluss auf deren weiteren Lebensweg und Grundschullehrer*innen sind prägende Bezugspunkte in dieser Zeit. Das Grundschullehramt sollte deshalb finanziell aufgewertet und mit Lehrkräften der Sekundarstufe gleichgestellt werden, also mit A13 besoldet werden.
Mobbing ist längst nicht mehr nur ein Problem unter Schüler*innen. Egal, ob Mobbing aus dem Kollegium oder von den Schüler*innen ausgeht, liegt es nicht nur in der Hand des Kollegiums, sondern auch in der Verantwortung des Landes, den betroffenen Lehrkräften zu helfen. Volt fordert die Etablierung eines Supervisionsangebotes auf Landesebene.
Lehrer*innen sollten sich untereinander unterstützen. Deshalb fordert Volt eine Ausweitung des Team-Teaching-Konzepts, bei dem mehrere Lehrer*innen zusammen unterrichten. Dabei sollte auch ein Fokus auf multiprofessionelle Teams gesetzt werden, bestehend aus Lehrkräften und Sozialpädagog*innen, vor allem für Klassen mit erhöhtem Betreuungsbedarf. Außerdem unterstützen wir ein System der gegenseitigen Hilfe: Beispielsweise setzen wir uns für die freiwillige kollegiale Hospitation ein, bei der Lehrer*innen sich gegenseitig im Unterricht beobachten und Feedback zu einzelnen Aspekten liefern.
Mehr Schulpsychologen*innen und Sozialarbeiter*innen
Das Land und das Elternhaus übertragen viele Aufgaben an die Schule. Einige davon sind sinnvoll bei den Lehrer*innen aufgehoben, andere sollten von speziell dafür ausgebildeten Fachkräften ausgeübt werden. Deshalb fordert Volt, deutlich mehr Sozialarbeiter*innen und Schulpsychologen*innen einzustellen. Dafür muss das Land Mittel zur Verfügung stellen und darf die Kommunen mit den Kosten und der Verwaltung nicht alleine lassen.
Unterstützung bei bürokratischen Aufgaben
Lehrer*innen sollten sich auf ihre Lehrtätigkeit konzentrieren können. Überflüssige bürokratische Auflagen können Lehrkräfte entmutigen. Deshalb fordert Volt den Abbau von bürokratischen Hürden, beispielsweise bei der Beantragung von Fördermitteln für Ausflüge oder neuer technischer Infrastruktur. Außerdem setzt sich Volt dafür ein, mehr Verwaltungskräfte einzustellen, um Lehrer*innen bei den vielfältigen Zusatzaufgaben zu unterstützen.
Arbeitsplätze für Lehrer*innen
Ein eigener Schreibtisch - was für Dozent*innen und Professor*innen normal ist und auch für jeden anderen Beruf, der mit viel Schreibarbeit und Papierkram einhergeht, ist für Lehrer*innen ein Luxus. Volt fordert, dass an jeder Schule Arbeitsplätze für Lehrer*innen geschaffen werden. Dies würde Lehrer*innen eine effizientere Nutzung ihrer Anwesenheitszeit in der Schule einerseits sowie eine räumliche und dadurch erfolgreiche Trennung von Arbeit und Freizeit andererseits ermöglichen.
Arbeitsmaterialien müssen gestellt werden
Die Corona-Krise verlangt von vielen Lehrer*innen Kreativität. Bei der Umstellung von Präsenz- zu Onlinelehre sind viele Missstände zutage getreten; beispielsweise wird von allen Lehrer*innen erwartet, die notwendige (technische) Infrastruktur zu haben, um Videokonferenzen zu führen. Volt fordert, dass Lehrer*innen und Schüler*innen ihr Arbeitsmaterial nach Bedarf vom Land gestellt bekommen.
Eine gerechte Verteilung von Deputatsstunden abhängig vom Fach
Die Vielfältigkeit der verschiedenen Fächer bringt auch ein unterschiedliches Arbeitspensum mit sich. Dennoch haben alle Lehrer*innen die gleiche Anzahl an Deputatsstunden. Ein*e Deutschlehrer*in hat einen deutlich höheren Korrekturaufwand als beispielsweise ein*e Sportlehrer*in. Das bedeutet nach unserer Auffassung nicht, dass ein*e Sportlehrer*in zu wenig leistet, sondern dass manche Lehrer*innen zu stark belastet werden. Deshalb fordert Volt ein Koeffizientensystem nach dem Vorbild von Luxemburg und Österreich, bei dem die Anzahl der Deputatsstunden an das Fach gebunden wird, sodass am Ende alle Lehrer*innen ein gleiches Arbeitspensum haben.
Kindergärten
Die bestehende Datenbank für Kindergärten und weitere Betreuungseinrichtungen des Kommunalverbands für Jugend und Soziales BW soll vervollständigt werden, indem vorhandene kommunale Datenbanken eingeflochten und fehlende Daten abgefragt werden. Dabei soll auch ein System zur Anzeige der freien Plätze in einer Betreuungseinrichtung erstellt werden, indem Betreuungseinrichtungen verpflichtet werden, die Anzahl der freien Plätze an die jeweilige Kommune weiterzugeben. Zudem soll ein übersichtliches, geordnetes und faires Anmeldeverfahren auf der Website über die jeweilige Kommune möglich sein, das die maximal mögliche Anzahl von angegebenen Präferenzen begrenzt. Zudem sollen die Beitragsregelungen der jeweiligen Kommune einfach und transparent einsehbar sein.
Die Kriterien zur Erlassung der Kita-Gebühren sollen ausgeweitet werden, sodass mehr Haushalte von einer beitragsfreien Kita oder deutlich reduzierten Kita-Gebühren profitieren. Professionelle Förderung frühkindlicher Entwicklung ist zu wichtig, als dass sie von den Finanzen des Elternhauses abhängig sein darf. Um eine qualitativ hochwertige und umfangreiche Betreuung zu gewährleisten, sollen einkommensstarke Familien aber weiterhin Gebühren zahlen. Der Höchstsatz soll vom Land festgesetzt werden. Mittelfristig sollen Kita-Gebühren unterstützt durch Fördermittel des Landes stufenweise abgebaut werden, sodass langfristig eine Kita-Beitragsfreiheit für alle Kinder über 3 Jahren in BW erreicht wird.
Um den erwiesenen positiven Effekten eines frühen Kindergartenbesuchs gerecht zu werden und soziale Unterschiede abzubauen, soll in BW mittelfristig die Einführung einer Kindergartenpflicht ab 4 Jahren angestrebt werden. Dafür ist es unerlässlich, das bestehende Betreuungsangebot weiter auszubauen und zu vergünstigen. Dabei sollen die Kommunen durch einen Fördertopf aus Landesmitteln mit einem intelligent gewählten Verteilungsschlüssel unterstützt werden.
Kinderbetreuung muss in Baden-Württemberg flächendeckend ab dem 2. Lebensmonat durchgängig bis zum Schuleintritt gewährleistet werden.
Um Erzieher*innen zu entlasten, sollen bestehende Personalschlüssel überprüft und gegebenenfalls mit Unterstützung durch Landesmittel erhöht werden. Zusätzlich müssen wir Erzieher*innen besser ausbilden.
Ganztagsschulen
Schüler*innen beginnen ihre Bildung nicht mit den gleichen Voraussetzungen. Das Elternhaus hat einen sehr großen Einfluss auf den späteren Werdegang des Kindes. Viele Eltern können es sich einfach nicht leisten, ihr Kind über den Tag zu betreuen oder für Nachhilfe zu zahlen. Um Alleinerziehende und in Vollzeit arbeitende Eltern zu unterstützen, setzt sich Volt für eine Ausweitung der Ganztagsschule und der Nachmittagsbetreuung ein.
Wenn Schüler*innen verpflichtet sind, Nachmittagsunterricht zu besuchen, ist die Schule verpflichtet, für Verpflegung zu sorgen.
Vergünstigung von Mahlzeiten für Kinder aus finanziell schwächeren Familien
Unabhängig vom Einkommensstand sollte jedes Kind die Möglichkeit haben, ein gesunde und warme Mahlzeit zu sich zu nehmen. Herkömmliche Zahlungssysteme, die in der Schule verwendet werden, müssen durch andere Abrechnungsmethoden ersetzt werden, um Diskriminierung zu vermeiden. Durch zahlen per App oder Chipkarte kann das Essen zum Beispiel bereits am Vortag bestellt und bezahlt werden.
Essen in Mensen soll nachhaltiger und gesünder werden
Wir möchten mehr saisonale und regionale Bioprodukte in den Mensen anbieten und dafür den Anteil an Fleischprodukten reduzieren. Das Land muss dafür Fördermittel bereitstellen. Schulkioske sollen außerdem verstärkt frische Produkte statt Industrieprodukte anbieten.
Bereitstellung von Ganztagsangeboten
Jede Familie, die eine Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen möchte, muss die Möglichkeit dazu bekommen. Zu diesem Zweck sollen weitere Sozialarbeiter*innen und Erzieher*innen eingestellt werden. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass die Ganztagsschulen und Ganztagsangebote in angemessener Reichweite und in angemessener Qualität vorhanden sind.
Mehr AGs und Poolstunden zur Förderung von Schüler*innen
Volt fordert, dass das Nachmittagsangebot an Schulen mindestens so vielfältig und bunt ist wie die Menschen, die die Schule besuchen. Zu diesem Zweck soll es wieder mehr Anrechnungsstunden geben, und AGs sollen ebenfalls berücksichtigt werden. Für alle Schulformen soll eine vereinfachte Möglichkeit bestehen, zusätzliche Stunden (Poolstunden) zu beantragen. So sollen z.B. mehr Sport-AGs an Schulen entstehen oder Förderunterricht für Schüler*innen, die Deutsch als Zweit- oder Drittsprache lernen, deutlich leichter beantragt werden können.
Lehrplan
Europa blickt auf tausende Jahre gemeinsamer Geschichte. Wir sind miteinander verbunden, sei es durch Kultur oder Sprache, sei es durch gemeinsame Erfahrungen oder durch Politik. Europa ist als Ganzes nicht mehr wegzudenken. Trotzdem sind unsere Geschichtsbücher noch immer stark von nationalen Perspektiven geprägt, auch die Quellen stammen meist aus dem eigenen Sprachraum. Zwar versucht man mittlerweile auch in Baden-Württemberg, die europäische Entwicklung stärker in den Blick zu nehmen. Dies geschieht jedoch noch immer auf Basis eines rein deutschen Geschichtsbuchs.. Deshalb fordern wir, dass Baden Württemberg gemeinsam mit anderen Regionen aus ganz Europa in ein neues Geschichtsbuch investiert. Mit einem Team aus Historikern*innen aus ganz Europa kann auf diese Weise ein Geschichtsbuch für alle Europäer*innen geschaffen werden. Hierdurch könnten Schüler*innen einen historischen Blick über den nationalen Tellerrand hinaus werfen und ein facettenreicheres Bild unserer gemeinsamen Geschichte kennenlernen.
Neben einem gemeinsamen Geschichtsbuch sollten die Schüler*innen auch im Politikunterricht mehr über die Bedeutung der Europäischen Union lernen. Anstatt nur in der 10. Klasse, fordern wir eine umfassendere und kritisch reflektierte Auseinandersetzung mit der Europäischen Union, ihrer Zukunft und den Menschen, die sie gestalten.
Schulfächer bilden die kleinste Zelle in unserem Schulsystem. Lehrer*innen studieren und unterrichten dann fachgebunden. In Finnland ist man den Schritt gegangen und hat diese kleinste Zelle aufgesprengt – fächerübergreifende Lehre bzw. Epochenunterricht könnte die Zukunft sein. Wir möchten unser Bildungssystem darauf vorbereiten und fordern daher eine Untersuchung solcher Konzepte und die Förderung deren Erforschung. Die Zusammenarbeit zwischen Fächern über das Schulcurriculum hinaus soll gefördert werden.
Der Trend, dass beide Eltern in Vollzeit arbeiten, führt dazu, dass Schulen mehr und mehr Aufgaben wahrnehmen, die früher von den Eltern übernommen wurden. Aufgrund einer immer stärker akademisierten Gesellschaft verlieren handwerkliche und alltägliche Aufgaben immer mehr an Bedeutung. Um dem entgegenzuwirken, sollen in der 8. oder 9. Klasse in allen Schulformen „Lebenskompetenzen“ angeboten werden. Dabei werden wichtige Konzepte aus dem Alltag erklärt:
- Steuersystem, Steuererklärungen und Finanzen
- Steuersystem in Deutschland
- Das Schreiben der Steuererklärung
- Finanzprodukte (Kredite / Aktien etc.)
- Ernährungslehre
- Mikro- und Makronährstoffe
- Energiebedarf und Energiehaushalt
- Verantwortungsvoller Konsum
- Ernährungsempfehlungen
- Versicherungen und Sozialsystem
- Pension und Rente
- Verpflichtende Versicherungen
- Optionale Versicherungen
- Krankenkassen
- Rechte und Pflichten
- gegenüber Polizei und Justiz
- als Mieter*in
- als Arbeitnehmer*in
- im Internet
- Datenschutz, Urheberrecht
- persönliche Daten im Internet
- Nachhaltigkeit
- Praktische Tätigkeiten
- Kochen / Backen
- Reparieren / Werken
- Stricken / Nähen
Durch dieses neue Fach sollen alle Schüler*innen unabhängig von der Schulform, die sie besuchen, die Möglichkeit erhalten, ein selbständiges und gesundes Leben zu führen. Das Fach ist in der 8. oder 9. Klasse angesetzt, um Schüler*innen, die früh mit einer Berufsausbildung beginnen wollen, dennoch diese wichtigen Konzepte beizubringen.
Informatikunterricht
Gerade angewandte informatische Kenntnisse sind in vielen Berufsfeldern mittlerweile von großem Vorteil. Jedoch werden im Schulunterricht nicht flächendeckend Informatik-Grundkenntnisse aufgebaut.
Deshalb fordert Volt kohärent aufeinander aufbauenden Informatikunterricht an allen Schulformen.
Um ein adäquates Niveau zu erreichen, muss Informatik in den Klassen 8 bis 10 eine verpflichtende Voraussetzung sein, um den Informatikunterricht der Sekundarstufe II zu besuchen.
Dafür muss aber auch jede Schule einen durchgehenden Informatikunterricht anbieten.
Wir fordern, dass mehr Schulen die Möglichkeit bekommen, die Fächer Informatik und Technik anzubieten. Auf diesem Weg soll auch der Zugang von Schüler*innen zu diesem Profil erweitert werden, die Informatik in den Vordergrund rücken. Dafür müssen technische Infrastruktur und Lehrer*innen-Verfügbarkeit der Schulen gestärkt sowie Fördermittel vom Land zur Verfügung gestellt werden.
Medienkompetenz
Die digitale Welt ist mit großer Geschwindigkeit innerhalb der letzten Jahrzehnte Teil unseres Alltags geworden und es ist essentiell, sich in dieser kompetent zurechtfinden zu können. Jedoch haben nicht alle Kinder im gleichen Maße die Möglichkeit, diese Kompetenzen im Elternhaus aufzubauen und vermittelt zu bekommen.
Deshalb fordert Volt die Ausdehnung des Basiskurses Medienbildung auf die Klassen 5 und 6 und die Ergänzung um grundlegende Elemente der Informatik. So soll insbesondere das Thema digitale Sicherheit bei allen Kindern fest verankert werden.
Religion, Spiritualität, Tradition und Moral sind ein wichtiger Teil der Kultur. Wir beschäftigen uns seit Tausenden von Jahren mit uns selbst, unserer Umwelt und allem was darüber hinausgeht. Deshalb steht der Religionsunterricht als Teil der Schule und Teil der Erziehung auch in der Verfassung von Baden-Württemberg festgeschrieben. Doch jede*r Schüler*in hat einen anderen Zugang zu Religion, und jede*r sollte die Möglichkeit erhalten, diesen zu finden, zu erkunden und kritisch zu hinterfragen. Der konfessionelle Unterricht und die Ergänzung von Ethik decken dabei nur einen Teil der Schüler*innenschaft ab: Unsere Gesellschaft besteht aus weit mehr Religionen, als konfessioneller Unterricht jemals abdecken könnte. Da ethische und moralische Denkansätze für jede*n von uns wichtig sind, nicht nur für konfessionslose Schüler*innen, fordert Volt die Abschaffung von konfessionellem Religionsunterricht und dem Fach Ethik. Eine neue Religionslehre soll eingeführt werden, in dem alle Religionen sowie unterschiedliche ethische und philosophische Theorien näher beleuchtet werden. Der Unterricht soll mit allen Schüler*innen gemeinsam stattfinden und wie bisher ein Pflichtfach bleiben.
Durch die Einführung des neuen Faches wollen wir Grenzen zwischen Religionen abbauen und auch konfessionslosen Schülern*innen die Auseinandersetzung mit Religionen ermöglichen. Darüber hinaus soll so allen eine Möglichkeit geboten werden, sich mit ethischen und philosophischen Fragen auseinanderzusetzen und nicht zuletzt Selbstreflexion und kritisches Denken angeregt werden.
Das Schulsystem
Kleinere Klassen führen nicht automatisch zu besseren Noten, jedoch führen sie zu weniger Stress für Schüler*innen und Lehrkräfte. Deshalb fordert Volt eine Reduzierung der Klassengröße, vor allem in Grundschulen und in der frühen Sekundarstufe, auf eine maximale Klassengröße von 22 Personen. Der Klassenteiler soll dementsprechend ebenfalls gesenkt werden.
Schüler*innen mit sehr hohem sonderpädagogischen Förderbedarf werden aus falsch verstandenem Inklusions-Willen der Schule oder auf Wunsch der Eltern lange in der Grundschule „mitgeführt“, ohne eine adäquate Förderung zu erfahren. Hierdurch bilden sich unter Umständen große Wissenslücken, dauerhafte schulische Misserfolgserlebnisse, negative Selbstzuschreibungen und Ähnliches, die die ursprüngliche Problematik verstärken können.
Mit Beginn der Pubertät, einer stärkeren Orientierung an der PeerGroup, einer verstärkten Auseinandersetzung mit der eigenen Person und dem Vergleich mit anderen, stürzen einige Schüler*innen mit Behinderung in eine tiefe persönliche Krise. Dies kann Schulverweigerung und Schulabstinenz, aber auch starke psychische Belastungen als Folge mit sich bringen.
Deshalb fordert Volt, dass neben dem gemeinsamen Lernen an der Regelschule das Förderschulwesen als subsidiäre Leistung weiterhin bestehen bleibt. Der primäre Schulort ist die Regelschule.
Bei Bedarf stehen auch Förderschulen/notwendige schulische Förderangebote zur Verfügung, z.b. Stütz- und Förderklassen, Intensivklassen, geschützte Klassen, Kleinstklassen. Diese Maßnahmen können kooperierend und in räumlichem Zusammenhang mit der Regelschule stattfinden, bilden aber dennoch einen eigenständigen Schultypus. Der Wechsel zwischen Regelschule und Förderschule muss durchgängig gewährleistet sein.
Durch die Inklusionsbestrebungen wurden vermehrt Kinder von Förderschulen in Regelschulen unterrichtet und Förderschulen geschlossen, so dass in Teilen Deutschlands keine Wahlfreiheit für die Eltern mehr bestand und besteht. Wir möchten hingegen Eltern und Schüler*innenschaft den dauerhaft Zugang zu Beratung bezüglich schulischer Angebote ermöglichen; das Wahlrecht der Eltern bei der Schulwahl für ihr Kind bleibt jederzeit erhalten.
Facheinrichtungen mit speziellen Förderangeboten müssen weiterhin für einen Teil der Kinder und Jugendlichen zur Verfügung stehen (beispielsweise haben gehörlose Schüler*innen, die sich per Gebärdensprache unterhalten, andernfalls keinerlei Gesprächspartner*innen; Lernende mit Autismusspektrumstörung benötigen Kleinstgruppen und Auszeiträume; etc.).
Die Entscheidung, welche Schule das Kind nach der 4. Klasse besuchen soll, ist eine schwierige und schwerwiegende. Durch diese Entscheidung werden Schüler*innen für die kommenden Jahre stark geprägt. Deshalb gibt es momentan die Grundschulempfehlung, die vom Direktor eingesehen werden darf. Diese Grundschulempfehlung basiert auf der Einschätzung des*der Lehrer*in und auf den Leistungen, die das Kind im 4. Schuljahr erbracht hat. Um eine bessere Vergleichbarkeit herzustellen und den Grundschullehrer*innen bei ihrer Einschätzung zu helfen, fordert Volt dezentrale landesweite Tests in der 4. Klasse. Die Ergebnisse sollen dann miteinander verglichen und den Lehrer*innen zur Verfügung gestellt werden, wenn sie eine Entscheidung über die Empfehlung des*der Schüler*in fällen.
Diese Tests sollen sich auf Kernkompetenzen fokussieren, die der*die Schüler*in in seiner zukünftigen Schullaufbahn benötigen wird.
Im selben Atemzug möchten wir damit die Noten in der Grundschule abschaffen, da durch solche landesweiten Tests die Notwendigkeit für ein weiteres Bewertungssystem nicht mehr gegeben wäre.
Die Länge der Gymnasialzeit ist in Baden-Württemberg sehr umstritten. Seit der Einführung des G8 haben Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern die Auswirkungen der Schulreform diskutiert. Beide Systeme bieten für die Lernenden individuelle Vor- und Nachteile. Volt fordert, dass die Begrenzung der Anzahl an Schulen, die G9 anbieten dürfen, abgeschafft wird. Dadurch soll jede Schule die Möglichkeit bekommen zu entscheiden, ob sie ausschließlich G8, ausschließlich G9 oder beide Züge anbieten möchte.
Der Sportunterricht ist ein wichtiger Bestandteil des Schulalltags. Bewegung ist essentiell für die Gesundheit, und dies sollte den Schüler*innen vermittelt werden. Das Ziel des Sportunterrichts sollte es hingegen nicht sein, die Schüler*innen nach ihren sportlichen Fähigkeiten zu bewerten: Es sollte viel eher die Chance sein, sich auszuprobieren und Spaß am Miteinander zu haben.
Deshalb fordert Volt zunächst das Abschaffen der Noten im Sportunterricht und die Möglichkeit, sportliche Tätigkeiten, die von der Schule angeboten werden, als Sportunterricht zählen zu lassen. Das bedeutet, falls die Schule eine AG anbietet oder eine Schulmannschaft hat und das Training gleichwertig mit dem Sportunterricht ist, sollte dieses als Sportunterricht zählen und den*die Schüler*in vom regulären Sportunterricht befreien. Volt geht noch einen Schritt weiter und fordert, dass das Land den Schulen ein Budget stellt, mit dem sie beispielsweise Yoga- oder Fußballtrainer*innen bezahlen können, um Kurse in der Schule anzubieten. Sportunterricht soll dadurch etwas Persönliches für jeden*jede Schüler*in werden.
Die angebotenen Fächer variieren von Schule zu Schule sehr stark. Manche Schulen haben einen Fokus auf Sprachen, andere auf Literatur und Geisteswissenschaften, wieder andere haben ein eher technisches Profil. In urbanen Gebieten ist das eine gute Möglichkeit, individuelle Stärken zu fördern – in ländlichen Regionen kann es hingegen eine Einschränkung sein. Durch die Corona-Krise konnten wir viele Mängel am Online-Unterricht feststellen; für Schüler*innen, die Fächer belegen wollen, die an ihrer Schule nicht angeboten werden, könnte er jedoch auch eine Möglichkeit bieten.
Deshalb fordert Volt, Schulen eine Möglichkeit zu bieten, ihre Lerninhalte offline sowie online zu präsentieren. Auf diese Weise könnten Schüler*innen Kurse, die an ihrer Schule nicht angeboten werden, online belegen und so ihren Abschluss mit diesem Fach machen. Beispiele für Fächer, die nur an bestimmten Schulen angeboten werden, sind: Informatik, Spanisch, Latein oder Altgriechisch, Französisch (vor allem in Real- oder Hauptschulen).