#500mlEuropa: Volts Blutspenden-Kampagne gegen Diskriminierung

#500mlEuropa: Volts Blutspenden-Kampagne gegen Diskriminierung

10.06.2021
Initiatorin Ann-Katrin van Rompaey fordert eine Aufhebung der Diskriminierung in der Zulassung zur Blutspende: „Jede Spende ist gleich wichtig!“
  • Initiatorin Ann-Katrin van Rompaey fordert eine Aufhebung der Diskriminierung in der Zulassung zur Blutspende: „Jede Spende ist gleich wichtig!“

Berlin, 10. Juni 2021 – Blut spenden, Foto online hochladen, Hashtag #500mlEuropa setzen. So einfach kann eine kollektive Hilfsaktion in Pandemie-Zeiten sein. Die Aktion endet am 14. Juni, dem internationalen Tag der Blutspende. Mit der bundesweiten Blutspendenkampagne macht Volt auf die Diskriminierung von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM = men who have sex with men), und anderer Personen aufmerksam, deren Lebensmodell nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht. Die Bewegung appelliert an die Anpassung der Regelungen. Denn obwohl Blutspenden für medizinische und Forschungszwecke dringend benötigt werden, dürfen MSM in Deutschland erst nach einem Jahr sexueller Enthaltsamkeit Blut spenden. Gleiches gilt für bisexuelle Männer, Sexarbeiter*innen und „transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten“ (Wortlaut der Bundesärztekammer 2017). 

Volt fordert die als willkürlich kritisierte Rückstellungsfrist von 12 Monaten bei sexuellem Risikoverhalten auf Regelungen anderer europäischer Länder von drei bis vier Monaten wie in Italien, Spanien und Portugal zu reduzieren. Dieser verkürzte Zeitraum orientiert sich an der zeitlichen sicheren serologischen Nachweisbarkeit von Neuinfektionen und ist vergleichbar mit der Begründung für Personen heterosexueller Orientierung. Außerdem drängt Volt auf die Einführung einer individuellen Risikoermittlung (Individual Risk Assessment, IRA) und nennt Italien als Best Practice-Beispiel: Seit der Reform 2001 konnte wissenschaftlich bewiesen werden, dass diese Regelung keinen signifikanten Einfluss auf die Ausbreitung von HIV hatte. Im Zuge der individuellen Risikoerfassung will Volt das Wissen über die sexuelle Identität und Praktiken, sowie die Offenheit bei Mitarbeitenden im Gesundheitswesen verbessern. Die dem Fragebogen zugrunde liegenden Richtlinien sollen dem im Gespräch betrachteten Einzelfall Raum geben und nicht kategorisch Menschen ausschließen. 

Die Bundesärztekammer weist in ihrer Stellungnahme vom 17. März 2021 darauf hin, dass nur der Gesetzgeber legitimiert wäre, anderweitige Festlegungen als rechtliche Regelung zu erlassen und entsprechende Folgen zu verantworten. Deshalb fordert Volt den Gesetzgeber auf, angesichts der geringen Bereitschaft zur Blutspende in der Bevölkerung die passende Antwort zu finden - besonders in Zeiten des demographischen und gesellschaftlichen Wandels.

Mehrere Volt-Städte-Teams riefen die Aktion am Weltgesundheitstag Anfang April ins Leben. Maßgeblich beteiligt an der Idee und Umsetzung sind die Teams aus Hamburg, Köln, Ruhr, Düsseldorf und Braunschweig. „Es gibt leider immer noch zu wenig Spender*innen. Deshalb wollten wir passend zum Themenmonat Gesundheit einen Aufruf starten und gleichzeitig auf die Diskriminierung diverser Personen aufmerksam machen“, schlussfolgert Ann-Katrin van Rompaey, eine der Initiator*innen. „Wir setzen uns dafür ein, dass niemand unter Generalverdacht gestellt wird, und fordern eine Aufhebung der Diskriminierung in ganz Europa! Jede Spende ist gleich wichtig.“ Zu diesem Zweck bietet Volt eine Online-Registrierung auf ihrer Webseite an, bei der jede willige Spende eingetragen werden kann – auch symbolisch, wenn sie wegen Diskriminierung nicht möglich war.

"Blutspenden rettet Leben und es ist wirklich super einfach! Die Diskriminierung beim Ausschluss von der Blutspende von Männern, die Sex mit Männern haben, muss aufhören. Personengruppen, die ein höheres Risiko für eine HIV-Infektion haben, dürfen spenden. Deshalb darf dieses vorgeschobene Argument nicht mehr zählen."

Lars Herbold, Volt-Kandidierender NRW-Listenplatz 4 © Lars Herbold

“Ich sehe die Blutspende ähnlich wie wählen gehen: Beides hat Einfluss auf Menschen und unsere Gesellschaft, beides ist Grundlage unserer Gesellschaft. Deshalb sollte Blutspenden auch für alle möglich sein und ihre sexuelle Orientierung kein Ausschlusskriterium sein.” 

Nancy Meyer, Volt-Kandidierende NRW-Listenplatz 11 © Nancy Meyer

„Blutspenden ist eine so einfache Möglichkeit, Menschen in Not zu helfen, mit einem wirklich ganz persönlichen Beitrag. Schon als Kind fand ich es toll, wie Winnetou und Old Shatterhand Blutsbrüder wurden. Ich finde die Vorstellung schön, dass über meine Blutspende der Mensch, dem damit geholfen wurde, nun mit mir persönlich verbunden ist.“ 

Andreas Badenhop, stellvertretender Landesvorsitzende Volt Niedersachsen © Andreas Badenhop

Über Volt 

Der Name Volt ist Programm: „Energie für Europa“. Als Reaktion auf den Brexit und den erstarkenden Rechtspopulismus in Europa gründeten eine Französin, ein Italiener und ein Deutscher im März 2017 die paneuropäische Bewegungspartei Volt. Ihr Ziel: Neue Politik für ein neues Europa.

Als erste echte europaweite Partei setzt sich Volt dafür ein, die Europäische Union so zu reformieren, dass globale Herausforderungen gesamteuropäisch gelöst werden können. Die Basis dafür soll eine handlungsstarke, föderale Europäische Republik bilden. Volts Vision: Ein progressives Europa mit einer toleranten Gesellschaft, einer klimaschützenden Wirtschaft, einem anpassungsfähigen Bildungssystem und einer selbstbestimmten Digitalisierung.

Volt ist überzeugt, dass nur eine basisdemokratische Beteiligung Europa für eine nachhaltige, wirtschaftlich starke und sozial gerechte Zukunft wappnet. Deshalb handelt Volt auf allen Ebenen – von lokal bis europäisch, als Bewegung und Partei. Die Bewegung gibt allen europäischen Bürger*innen eine Stimme und die Möglichkeit, sich aus der Gesellschaft heraus politisch zu engagieren. Mittlerweile ist Volt europaweit vertreten: Tausende Menschen aller Alters- und Berufsgruppen engagieren sich in 29 europäischen Staaten mit Teams in hunderten Städten.

Für Interviewanfragen sowie weitere Informationen melden Sie sich gerne unter:

Mark Appoh und Pauline Raabe
Presseteam Volt Deutschland
presse@voltdeutschland.org
Tel.: +49 176 80587774
Tel.: +49 171 4764205